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Gastbeitrag: Barfuß die Welt entdecken!

barfuss gesund kleinkind

Die liebe Maike von Kinderphysiotherapie Maike war so nett, mir zu einem meiner geliebten Themen: Barfuß, wichtige Fakten und Infos aus ihrer beruflichen Praxis als Kinderphysiotherapeutin zusammenzustellen. Viel Spaß beim Lesen!

Babyfüßchen, so klein und speckig, sind doch einfach zum Reinbeißen, oder?

Ein Baby kommt mit kaum entwickelten Füßen auf die Welt. Sie sind weich und verformbar und bestehen hauptsächlich aus Knorpel. Ein dickes Fettpolster schützt die Babyfüße.

Kein Wunder, dass schon zu enge Socken oder zu kurze Stramplerfüßchen zu Verformungen und Fehlbildungen führen können. (Achtung- daher in der Trage oder im Tragetuch bitte keine Strampler oder Strumphosen!)

Wenn die Kinder krabbeln, sehen die Babyfüße immer noch gleich aus, selbst, wenn sie beginnen zu laufen. Erst, wenn sich das Becken des Kindes aufrichtet (ca. im 4. Lebensjahr) und es schon etliche Kilometer zurück gelegt hat, bilden sich Längs- und Querwölbung durch die Muskulatur des Fußes aus.

Die Verknöcherung des Fußskelettes kann sogar bis ins Jugendalter hinein andauern. Damit sich die Wölbung – eine aktive Haltung des Fußes – ausbilden kann, brauchen die Füße Informationen, nicht nur durch barfuß laufen, sondern bestenfalls auch schon vor dem Laufen.

Daher empfehle ich, die Babys so oft wie möglich barfuß zu lassen!

Sie beschäftigen sich dann viel mehr mit ihren Füßen, betasten sie mit Händen und Mund, fühlen die Untergründe, Gegenstände und bekommen so schon mal eine gute „Idee vom Fuß“.

Beim Liegen, Drehen, Robben, Krabbeln spannen auch die Fußmuskeln mit an, stellen die Füße in die dazugehörige Stellung gemäß des physiologischen Bewegungsmusters.

Dadurch gut entwickelte Fußmuskeln stabilisieren also die gewölbte Fußunterseite. Sind diese Muskeln zu schwach, können Platt-, Spreiz- oder Senkfüße entstehen. Zwei Drittel aller Kinder wachsen mit „ungesunden“ Füßen auf, was später zu Gelenk- und Haltungsbeschwerden führen kann.

Die Sorge, dass ein Baby ohne Socken sofort krank wird, ist in meinen Augen unberechtigt. Ein Kind wird durch Erreger krank, nicht durch kurzzeitig kalte Füße- solang der Rumpf warm ist, zu testen zwischen den Schulterblättern oder im Nacken.

Ich würde immer wieder kontrollieren und wenn sie wirklich kalt sind, wieder Socken anziehen. Mein Kleiner findet Socken nur in den Händen toll und zieht sie eigentlich ständig aus.

fussentwicklung-kleinkinder

Der Vorteil am barfuß-sein:

Die Stimulation der Fußreflexzonen wirkt sich auch auf den restlichen Körper aus. Die gesamte Durchblutung wird gefördert, vermehrte Körperwärme freigesetzt und das Immunsystem gestärkt.

Die (barfuß-) Füße schwitzen kaum. Ja, auch Babys können Schweißfüße haben, da alle Schweißdrüsen im Fuß bei der Geburt bereits angelegt sind.

Gleichzeitig wirkt es sich positiv auf die gesamte Körperkoordination aus. Wissenschaftliche Untersuchungen an Grundschulkindern haben das erwiesen. Vor allem Kinder, die motorische Schwierigkeiten haben, sollten deshalb häufig ohne Schuhe laufen, die Babys ohne Socken.

Dennoch bitte immer wieder die Temperatur der Füße kontrollieren: bei anhaltend kalten Füßen drohen nämlich Erkältung und Blasenentzündung.

Christin
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2 Kommentare

  • Reply
    Barfuß-Tobi
    3. März 2018 at 14:01

    Es hält sich hartnäckig das Gerücht wenn man die Kleinkinder barfuß lässt davon würden sie kalte Füße bekommen. Natürlich dürfen die Füße auch mal kalt sein, genauso wie die Hände auch mal kalt sein dürfen.

    Aber zieht man wegen etwas kalter Hände dem Kind auch sofort Handschuhe an? Bestimmt nicht! Also braucht es auch keine Socken.

    Auf ein Erlebnis im November 2016 (13 Grad) möchte ich mal aufmerksam machen: Kind im Spurtwagen barfuß und ohne Handschuhe. Die Leute sagten „das arme Kind ist barfuß das erkältet sich“. Und hier wieder meine Frage: Wer zieht bei 13 Grad dem Kind Handschuhe an?

  • Reply
    tobias b.
    4. März 2018 at 13:47

    Sehr guter Beitrag, Kinder sollten schon ab der geburt „mit allen vier händen“ greifen lernen und den tastsinn trainieren.
    Kalte füße gehen überwiegend auf einen schwachen kreislauf zurück, da kommt es drauf an, dass die kinder ihren bewegungsdrang auch ausleben können.
    Ein zusammenhang zwischen kalten füßen und blasenentzündung ist mir nicht bekannt, bei allgemeiner unterkühlung leidet wohl die abwehrkraft, aber das ist wieder eine frage von kreislauf und aktivität – außerdem können gesicht/hände/füße gerne frei bleiben, wenn der kern gut isoliert ist (zumindest wenn es keinen frost hat).

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    Gastbeitrag: Barfuß die Welt entdecken!

    von Christin Geschätzte Lesezeit: 2 min
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