Bedürfnisorientiert leben Kennengelernt

Interview 2: „Bedürfnisorientiert leben mit mehr als einem Kind – ist das möglich?“

Rina Bedürfnisorientiert

Ich selbst wurde oft mit der Aussage konfrontiert, dass es zwar ganz toll ist, was wir mit Nora machen – aber das beim zweiten Kind nicht mehr funktionieren würde. Angestachelt von dieser Aussage, wollte ich wissen, wie das Familien erleben, die bereits mit dem mindestens zweiten Kind leben. Ein Aufruf auf Instagram bescherte mir 2 Interviews – mit 2 Familien mit je 2 Kindern.Was Sie zum bedürfnisorientierten Leben mit 2 Kindern sagen, lest ihr in den beiden Interviews (zu Interview 1 gehts hier lang):

Hallo ihr Lieben, schön das ihr euch kurz für uns Zeit nehmt. Stellt euch doch mal bitte kurz vor?

Hallo, wir sind Mama Sabrina (28 Jahre), Papa P, Tristan (4,5 Jahre) und klein Ida (9 Monate). Wir wohnen in einem kleinen beschaulichen Dorf 30 km von der dänischen Grenze entfernt in unserem Traumhaus. Ich (Sabrina) habe dänische Wurzeln, deswegen leben wir nicht nur bedürfnissorientiert, sondern auch zweisprachig. Da ich studierte Pädagogin bin, ist es mir sehr wichtig, meine Kinder bedürfnissorientiert aufwachsen zu lassen.

Was bedeutet für euch bedürfnisorientiert zu leben?

Für uns bedeutet bedürfnissorientiert leben, dass wir den Bedürfnissen der Familie viel Platz zu schenken und jedem Mitglied die Chance  geben, nach seinen Bedürfnissen handeln zu lassen, egal ob mit positiven oder negativen Konsequenzen. Sprich jeder kann jedem in allen  Situationen vertrauen. Ich bin überzeugt, dass man nur so gesund lernen und wachsen kann. Also im Grunde bedeutet es für uns nichts geringeres, als instinktiv eine starke, fürsorgliche Verbindung zu unseren Kindern aufzubauen, und dadurch die Kinder in all ihrer Komplexität zu verstehen und anzuerkennen.

Mir wurde ganz oft gesagt: „Das ist ja schön, wie ihr das jetzt macht aber das wird so ab dem 2. Kind nicht mehr funktionieren!“ Hat man euch das auch gesagt und wie habt ihr damals (als ihr noch 1 Kind hattet) darauf reagiert?

Skeptiker wird es immer geben. Meine Antwort auf diese Aussage ist bis heute die selbe:  „Warum sollte es beim Zweiten nicht mehr funktionieren?“ Es ist kein Versuch den man anstrebt, kein Experiment, sondern viel mehr eine Lebenseinstellung, Diese ist nicht abhängig von der Anzahl an Kindern.

Nun seid ihr „schlauer“ – ihr lebt nun zu 4. Was ist anders gekommen in Bezug auf die Umsetzung einer bedürfnisorientierten Elternschaft?

Unser Großer gibt diese Lebens-/Erziehungsweise selbst weiter. Er schenkt seiner kleinen Schwester bedingungslose Liebe und das Vertrauen, dass sie ihm Mama und Papa ihm nicht  „wegnehmen“ möchte. Er versteht viele ihrer Bedürfnisse und gibt ihr Raum und unterstützt ihre Möglichkeiten. Es ist wundervoll mit anzusehen, welch ein kompetentes Kind er ist und welch Verständniss er mitbringt. Dennoch sind wir immer für ihn, seine Gedanken, Wünsche und Ängste da. Im Grunde ist das einzige, was wirklich anders geworden ist, die Tatsache, dass wir dem Großen mehr Zeit und Raum schenken seine Gedanken, positive sowie negative, mit uns zu
besprechen. Dadurch das wir bereits bei ihm bedürfnissorientiert gelebt haben, haben wir denke ich eine gute Basis für Vertrauen, Verständniss und bedingungslose Liebe geschaffen. Dieses kommt uns allen jetzt zu Gute.

Gibt es auch Dinge, die jetzt gar nicht mehr so funktionieren? Wenn ja, was genau und wie löst ihr diese Situationen heute?

Die Erfüllung aller Bedürfnisse gleichermaßen. Ein Beispiel, ich wickel meine Tochter da kommt der Große völlig aufgelöst ins Zimmer und erzählt, dass seine Lieblingsperlenkette die er gebastelt hat, kaputt gerissen ist. Ich, die Hände voll, konnte den Großen nicht körperlich trösten, obwohl er das in dem Moment wirklich gebraucht hätte. Dass sind die Herausforderungen bei mehr als einem Kind. Das Gute an der
Situation war, dass mein Sohn wusste, dass ich ihn körperlich sofort trösten würde, wenn ich mit wickeln fertig bin.

Würdest du generell sagen, dass es mit 2 Kindern schwerer oder einfach nur anders geworden ist?

Definitiv anders und sogar in vielerlei Hinsicht einfacher. Was die Aufmerksamkeit für jeden einzelnen anbelangt aber auch deutlich schwerer. Mit zwei kann man nicht Jedem zu 100% gerecht werden, und es gibt auch Momente, in denen man dem Einen gerade nicht die Nähe geben kann, die er just in dem Moment braucht. Darunter leidet das Mamaherz sehr.

Inwiefern hat sich jetzt die Rolle des Papas (Aufgaben etc.) geändert?

Eigentlich hat sich nicht wirklich was geändert.

Plant ihr ein weiteres Kind? Wenn ja, glaubst du, dass auch mit dem 3. und jedem weiteren Kind eine bedürfnisorientierte Elternschaft möglich / machbar ist?

Wir planen vorerst kein weiteres Kind (man sollte dennoch nie, nie sagen). Ich bin jedoch, wie oben schon genannt, der festen Überzeugung, dass es egal ist, wie viele Kinder man hat, denn es ist eine Lebenseinstellung und die macht sich
an keiner Zahl fest.

Vielen Dank für eure Zeit. Es hat mich sehr gefreut, bei euch reinschnuppern zu dürfen.

Christin
Print Friendly, PDF & Email

You Might Also Like

Keine Kommentare

Leave a Reply

Interview 2: „Bedürfnisorientiert leben mit mehr als einem Kind – ist das möglich?“

von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
0