Bedürfnisorientiert leben Gedanken Schlafen

Nicht unsere Kinder sind das Problem – sondern unser Alltag!

Oftmals hört man von Eltern „Das Kind schreit ja nur“, „Das Kind schläft nicht wenn es ruhig ist“, „Das Kind will nur getragen werden“, „Das Kind hängt nur an der Brust“ und, und, und. Für viele hört sich das nicht normal an – aber genau das ist es und wir sind in unserer industrialisierten Welt nicht in der Lage, angemessen und bedürfnisorientiert darauf  zu reagieren.

Der erste Schritt dazu, dass uns diese Aussagen oder eher gesagt das Verhalten des Kindes nicht mehr schockieren ist, sich mit dem Kind auseinander zu setzen. Nämlich rein aus Sicht der Evolution. Denn unsere Kinder sind immer noch auf Steinzeit gepolt während wir mal eben gut 4000 Jahre weiter sind. Wir stülpen also unsere neuzeitliches Leben über die Gewohnheiten und Bedürfnisse unserer Kinder und wundern uns warum es nicht funktioniert. Die Problematik beginnt im Grunde schon im Bauch der Mutter – das Kind wird 24/7 zuverlässig versorgt, es ist warm, es wird getragen und geschuckelt, es ist nie leise (Herzschlag, Magengeräusche etc.) und es ist so nah wie nie wieder bei der Mama – ganze 10 Monate lang.

Und dann ist es endlich so weit, das Kind muss sein vertrautes Heim verlassen (es würde sonst einfach nicht mehr durch den Geburtskanal passen – eigentlich sind Menschen aber generell Frühgeburten). Man bezeichnet die ersten 9 Monate nach der Geburt auch immer noch ,,äußere Schwangerschaft“. Und genau jetzt fängt ,,das Drama“ an. Das Baby wird aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und muss sich komplett neu orientieren. Es ist kalt, groß und weit, ungewohnte Geräusche und:

  • wir legen das Kind ganz selbstverständlich in ein ruhiges, dunkles Zimmer alleine zum schlafen (So viel zum Thema: Das Kind schläft nachts nicht)
  • schieben unser Kind fernab von uns im Kinderwagen spazieren
  • docken es direkt nach dem vermeintlichen Ende des Trinkens ab
  • und so weiter

…, verlangen dabei ganz selbstständlich, dass das so okay ist für das Kind. Aber im Grunde ist genau das, was für uns so selbstverständlich scheint total gegen die Natur des Kindes.

Warum schreien Babys?

Das Schreien der Babys ist natürlich in erster Linie eine Kontaktaufnahme ,,Hallo ich bin hier – ich brauche deine Hilfe“. Damals wie heute.

Babys schreien u.a. weil:

  • … sie Hunger haben. Wobei es dann, wenn ein Baby des Hungers wegen schreit, schon sehr spät ist. Man kann die Hungerzeichen schon viel eher erkennen.
  • … sie noch nicht in der Welt angekommen sind – vorallem in den ersten Wochen und Monaten. (gerade Abends, wenn der Tag verarbeitet wird)
  • … sie müde sind.
  • … sie Nähe brauchen (zu erkennen wenn das Kind beim Ablegen weint).
  • … ihnen kalt oder zu warm ist (erkennt man am besten durch einen Griff in den Nacken).
  • … die Windel voll ist.
  • … das Kind Angst hat – weil es z.B. alleine liegt.
  • … das Baby krank ist / Bauchschmerzen hat.

Wenn ein Kind also weint, sollten wir uns auf die Suche nach der Ursache machen. Werden die Bedürfnisse des Kindes dann befriedigt, trägt dies zum Grundvertrauen oder eben auch Misstrauen (wenn die Bedürfnisse nicht erfüllt werden) bei. Gerade die ersten 6 – 9 Wochen haben tiefgreifende Auswirkungen auf das gesamte spätere Leben des Kindes. Sprüche wie: ,,Lass das Kind doch auch mal schreien“ oder ,,Schreien stärkt die Lungen“ sind hier total fehl am Platz. Wenn ein Baby schreit, weil es abgelegt und alleine gelassen wird schreit es nur, weil es ja nicht weiß, dass Mama gleich wieder kommt. Und genau diese Angst kommunizieren sie.

Wir müssen aufhören, aus der Sicht eines Erwachsenen zu denken. Natürlich sagen wir uns ,,Mensch, ich bin doch in 3 Sekunden wieder da – warum ist denn so ein Theater“. Aber das weiß das Kind nicht! Wir müssen anfangen, uns immer und immer wieder aufs Neue in das Kind hinein zu versetzen.

Wenn wir uns vor Augen halten, wie das Kind im Bauch lebte dann wissen wir, was wir tun müssen, um eine bedürfnisorientierte Umgebung zu schaffen.

 

 

 

Christin
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3 Kommentare

  • Reply
    verflixteralltag
    13. März 2017 at 10:59

    Ja da gebe ich Dir vollkommen Recht. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, wenn alle um einen herum etwas anders sagen 🙁
    LG Wiebke vom verflixten Alltag

    • Reply
      Christin
      13. März 2017 at 13:11

      Das ist wohl wahr Wiebke…..Jeder hat halt etwas anderes dazu zu sagen 😉

  • Reply
    Das wahre Leben mit Kind | Unser kleines ich | Mama & Lifestyleblog
    17. November 2017 at 12:38

    […] ist Höchststrafe 🙂 Aber das und noch viel mehr nimmt man in Kauf. Wenn man sich mit den Gründen für all das beschäftigt noch viel […]

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    Nicht unsere Kinder sind das Problem – sondern unser Alltag!

    von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
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