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BLW, Geschichten über den „neumodischen Trend“

BLW Beikost Baby

Tatsächlich liest man im Zusammenhang mit BLW (also: Baby Led Weaning) oft „Neumodischer Trend“, „Muss man immer allem irgendeinen Namen geben“ bis hin zu „gefährlich“. Dabei ist es weder das eine, noch das andere. Die Methode ist sogar viel, viel älter als die Breikost – ganz klar. Oder meint ihr, dass man in der Steinzeit erstmal alles zu Brei verarbeitet hat ? 🙂

Als Nora in das Alter kam, wo man sich über Beikost ernsthafte Gedanken macht, informierte ich mich (wie wohl jede Mama) erst einmal ganz klassisch zur Beikostreife (also wann fängt man an) und dann zum Thema Brei. Das es daneben noch andere Möglichkeiten gab, war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst.

Bei meinen Recherchen im Internet stieß ich dann aber doch ganz fix auf den Begriff BLW und breifreie Beikost (für mich schließt sich beides übrigens nicht aus). Ich fand die Ansicht, dass das Baby selbst bestimmt was es essen möchte, dass das „Füttern“ eigentlich nicht – sagen wir respektvoll ist und viele andere Denkweisen, die ich euch hier gleich mit auf den Weg geben werde, sehr spannend. Andererseits hatte ich auch Respekt davor – und stellte mir die Frage „Ist ein Kind in dem Alter denn überhaupt schon in der Lage, zu entscheiden was es essen möchte und noch viel mehr – klappt das denn ohne Zähne?“ Fangen wir von vorne an.

 

Beikostreifezeichen – Wann ist mein Baby bereit für einen Ausflug in die kulinarischen Freuden des Lebens?

Natürlich kann man einfach nach Gefühl geben ABER es gibt trotz allem ein paar Zeichen, die man dringend beachten sollte – dabei spielt es keine Rolle, ob man sich für BLW oder Brei entschieden hat.

  1. Das Baby sollt den Kopf gut alleine halten können.
  2. Das Baby kann mit minimaler Unterstützung gut sitzen.
  3. Das Baby schiebt keine Nahrung mehr mit der Zunge aus dem Mund. (Lässt sich ganz einfach testen)
  4. Hand-Mund-Koordination funktioniert.

Ganz klar KEINE Reifezeichen sind:

  1. Baby schmatzt wenn andere Essen.
  2. Baby ist interessiert beim Essen.
  3. Baby wacht nachts oft auf.
  4. Baby will wieder öfter an die Brust / clustern.

Wann und womit haben wir begonnen?

Beikost BabyAls Nora 5.5 Monate alt war, testete ich ganz klassisch mit etwas Karottenbrei, ob der Zungenreflex noch vorhanden ist. Schon beim ersten Versuch merkten wir, dass sie noch nicht bereit dazu war und wartet nochmals 2 Wochen bis zum erneuten Versuch. Jetzt klappte es und sie hatte wirklich Spaß an dieser neuen Sache. Um zu testen, was ihr so schmeckte, versuchten wir es vorerst mit Brei – Karotte, Pastinake, Kürbis. Schnell kristallisierten sich Favoriten heraus. Und eben diese gaben wir dann in Form von gedämpften Gemüsesticks. Das funktionierte wirklich ganz super und man sah wie spannend sie es fand, alles genau zu untersuchen. Farbe, Konsistenz, Geschmack. Welches Geräusch macht das Aufkommen von Essen auf dem Boden 🙂

Nach und nach etablierten wir neue Lebensmittel – ganz anders als es bei der klassischen Breinahrung empfohlen wird. (Ich finde diese Breipläne einfach nur furchtbar und eine Erfindung der Lebensmittelindustrie). Wir folgten keinem klaren Muster – sondern gaben ihr, was wir auch aßen. Natürlich ohne Gewürze. Schnell versuchte ich auch ein paar Rezepte aus z. B. salzfreies Babybrot oder zuckerfreie Kekse. Mittlerweile isst sie wirklich überall mit.

ABER! Es gibt zwischendurch tatsächlich Tage, wo sie einfach keine Lust hat oder man direkt merkt, sie hat Hunger – mag aber nicht selbst essen. Hier ist für mich so, dass wir ganz bedürfnisorientiert und nicht festgefahren handeln – dann bekommt sie Brei oder halt auch mal eine Suppe – gefüttert. Mittlerweile ist sie 10 Monate und darf soweit alles probieren bis auf Honig, Süßigkeiten und stark gewürzte Lebensmittel.

Warum haben wir uns für BLW entschieden?

Wie schon erwähnt, belas ich mich anfangs zur klassischen Breinahrung und dem Füttern. Als ich auf BLW stieß, war mir recht schnell klar, dass das zu unseren gesamten Einstellung rund um Babys, Nora und unsere Elternschaft passt.

Das Kind isst eigenständig und kriegt nichts in den Mund geschoben. Es entschieden was es isst und wie viel davon.  Es lernt u.a. über Geschmack und Beschaffenheit verschiedenster Lebensmittel. Wirkt sich positiv auf die Kieferentwicklung aus.

Wir hatten einfach ein gutes Gefühl dabei.

Ist BLW gefährlich? Kinder verschlucken sich – ob BLW oder nicht!

Wenn man einige Spielregeln beachtet, ist BLW keinesfalls gefährlich. Das Kind sollte natürlich nie unbeobachtet essen und immer in einer guten Position sitzen. Ganz klassisch aufrecht im Hochstuhl oder auf dem Schoß.

Das Babys und Kinder sich beim essen „lernen“ verschlucken ist ganz normal. Das passiert bei BLW Kindern ebenso wie bei Kindern, die erst sehr viel später Zugang zum Familientisch haben. Vorteil von BLW ist hier ganz klar: Der Schluckreflex  ist bei kleinen Babys noch viel weiter vorne und so ist es häufig so, dass das Kind der Lage selbst Herr wird und das ungeliebte Stück Nahrung herausbringt. Lernen Kinder erst viel später das Essen von fester Nahrung, ist dieser Reflex viel weiter hinten und das Verschlucken kann schlimmer bzw. problematischer sein. Ich gebe zu, die ersten Male, als Nora sich verschluckte, blieb mir fast das Herz stehen – wichtig ist dabei genau zu wissen, wie man im Notfall eingreifen kann.

Gibt es auch Nachteile von BLW?

Ganz klar – BLW macht Dreck, nimmt Zeit in Anspruch und kostet manchmal auch Nerven 🙂 Wer Wert auf einen sauberen Abendtisch legt – für den ist BLW wohl eine absolute Nervenprobe. Bei uns sieht es nämlich aus wie ein Schlachtfeld – und das Kind ebenso 🙂

Man kann alles sauber machen, die Kleidung kommt in die Wäsche und auch alles andere nimmt man gerne in Kauf – denn Essen soll Spaß machen und kein Zwang sein!

 

Möchtet ihr mehr zum Thema BLW lesen? Dann freue ich mich über Kommentare von euch. Schreibt doch auch gerne mal wie ihr die Beikost handhabt.

Christin
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3 Kommentare

  • Reply
    Maike
    13. Oktober 2017 at 17:29

    Super Beitrag! Die Rezepte werde ich mal probieren, Danke!
    Lg maike

  • Reply
    Fräulein_Blondschopf
    26. Oktober 2017 at 13:17

    Ich habe gerade eben erst deinen Blog gefunden und bin sehr dankbar, dass mein kleiner Mann gerade so einen ausgiebigen Mittagsschlaf abhält. So kann ich mir in Ruhe all deine interessanten Beiträge durchlesen 🙂 Mach weiter so!

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    BLW, Geschichten über den „neumodischen Trend“

    von Christin Geschätzte Lesezeit: 4 min
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