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Warum wir uns für ein Geburtshaus entschieden haben?

Geburt Geburtshaus

Ich möchte direkt vorwegnehmen: Das was ich hier schreibe ist meine Meinung – meine Sicht der Dinge – niemand muss sie teilen oder für gutheißen. Was ich lediglich möchte ist, dass die Frauen darüber nachdenken, sich reflektieren.

Ein Beitrag – den ich schon etwas länger vor mir her schiebe um mich zu sortieren und zu finden. Das Thema ,,Wo entbinde ich?“ ist ein sehr komplexes und intensives Thema, welches nicht selten zu Missverständnissen und Unverständnis stößt. Gerade wenn es um die Themen Geburtshaus, Haus- oder Alleingeburt geht, wird man nicht selten von anderen Müttern aber auch Nicht-Schwangeren als Verantwortlungslos und Lebensmüde hingestellt. Warum eigentlich? Nur weil wir uns für die für das Kind und uns natürlichste und ursprünglichste Art der Geburt entscheiden?

Für mich stand zu keiner Sekunde, seit dem ich weiß das ich schwanger bin und selbst darüber hinaus, ein Krankenhaus als Option. Ein Krankenhaus betreut, wie der Name schon sagt Kranke – bin ich als Schwangere krank? Nein! Ich brauche niemanden der mich heilt – ich brauche einen Menschen an meiner Seite, der mich (neben meinem Partner) unterstützt und mir Hilfestellung gibt, WENN ICH oder das Baby sie benötige, nicht weil ein Arbeitspapier sagt, dass die Frau jetzt Hilfe bekommt ob nötig oder nicht.

Schon lange bin ich ein Mensch, der medizinische Eingriffe hinterfragt – der nicht Ja und Amen sagt, wenn es darum geht, dies oder jenes an Untersuchungen durchzuführen oder Medikamente einzunehmen. Ich möchte nicht sagen, dass ich Ärzte in Gänzen misstraue aber ich habe das gesunde Selbstbewusstsein und die Reflektion Dinge und Abläufe zu hinterfragen. Und wer mir dann keine plausible Antwort geben kann: ,,Warum wird die Frau jetzt geschnitten, obwohl da da doch genug Platz und Zeit ist?“ – dem kann ich nicht vertrauen – dem möchte ich nicht vertrauen.

Da wird mein Kind geboren – und da bin ich in der Situation, die für sich und ihr Kind entscheidet. Ich bin es – die den Rest meines Lebens die Entscheidung und die Erinnerung an die Geburt tragen muss. Ich möchte nicht in ein paar Jahren hier stehen müssen und sagen müssen „Die Geburt meines Kindes war keine schöne Erinnerung“. Nicht zuletzt möchte ich meinem Kind nicht zumuten, die sowieso schon unglaubliche Situation noch stressiger erleben zu müssen. Hier geht es nicht nur um uns.

Man muss sich immer vor Augen führen, was da auch mit dem Kind passiert. 10 Monate lang wird es behütet im Warmen, von früh bis spät geschaukelt, gestreichelt und dann ganz plötzlich ist da nichts mehr. Es ist kalt, fremde Menschen (im Krankenhaus), Hektik – alles so neu. Und wir Menschen haben nichts besseres zu tun, als ein ggf. kerngesundes Kind der mütterlichen Nähe zu entreißen, um es zu waschen und zu wiegen. Warum?

Ich habe mich schon lange vor der Schwangerschaft mit dem Thema Geburt beschäftigt – mir war klar, dass ein Krankenhaus kein Ort sein wird an dem ich mich wohl fühle und an dem ich in diesen intimen Stunden Menschen um mich herum haben werde denen ich mich nah und vertraut fühle. Ein Ort an dem ich mich frei bewegen kann, sofern ich denn möchte. Ein Ort, an dem ich ganz allein als Mutter für mich und mein Kind entscheiden kann. Das beste Beispiel – das wir Frauen wohl den Glauben an das ,,ich kann das, weil ich dafür gemacht bin“ Sinn verloren haben zeigt doch deutlich der Vergleich zu den Tieren.

Überlegt, wie eine Katze ihr Jungen zur Welt bringt und vergleicht das mit uns – mit uns Menschen, die am Ende nichts anderes machen, als ihren Nachwuchs auf die Welt zu bringen. Eine tragende Katzenmutter zieht sich zur Geburt zurück – dunkel, leise und geschützt. So muss es sein, damit die Katze entscheidet, ihre Kinder auf die Welt zu bringen. Sobald eine werdende Katzenmutter gestört wird, wird sie die Geburt sofort unterbrechen. Aber was machen wir Menschen? Wir gehen an einen Ort hell, voller Menschen, voller Hektik, voller Regeln und Richtlinien. Würde man eine Katze unter der Geburt überwachen, würden wir Menschen wohl denken ,,Hey die Katze gebärt ja gar nicht ordentlich – das dauert ja voll lange“ und wir würden anfangen, Mittel und Wege zu finden, der Katze das Gebären vermeintlich einfacher zu machen. Probleme, die ohne den Menschen wohl nie da wären. Ähnlich verhält es sich mit der Geburt eines kleinen Menschenkindes. Wir begeben uns in Hände, die dafür da sind, Kranke zu heilen. In ein alles andere als vertraute Umfeld, um eine der natürlichsten Dinge zu vollziehen.

Ich finde es schade, dass es Frauen gibt, die nach der Geburt Ihres Kindes sagen müssen ,,Die Geburt? Die war fürchterlich“. Denn nicht selten liegt es an uns, weil wir es dazu gemacht haben. Natürlich kann es wirkliche, nicht einplanbare Komplikationen geben, keine Frage. Und dann ist es auch gut, dass wir technisch und medizinisch so gut ausgestattet sind, das wir Mutter und Kind helfen können. Aber eben dann gibt es eine medizinische Indikation dafür. Warum brauch eine gesunde Frau eine PDA, nur weil sie der Meinung ist, das lindert mal eben die Schmerzen? Schmerz entsteht u.a. durch Angst und Anspannung. Ich bin der Meinung, dass die richtige Betreuung während der Schwangerschaft – ob durch Arzt oder Hebamme – genau eben dies abbauen sollte. Wir müssen uns immer vor Augen führen, dass jeder manuelle Eingriff am Menschen eine Reaktion eben dieses und eine des Kindes hervorruft, welche wiederum zu anderen Komplikationen führen kann.

Die PDA ist eigentlich das beste Beispiel… 10 Monate wird gepredigt ,,Schmerzmittel nur im äußersten Notfall – am besten gar nicht“. Kaum fühlen wir uns mit der Geburtssituation überfordert oder dem Krankenhaus geht es nicht schnell genug, spielt dieses Thema auf einmal überhaupt keine Rolle mehr. Da wird fröhlich Schmerz- und Betäubungsmittel gespritzt, behauptet, es ginge nicht auf das Kind über und im dümmsten Fall führt Eins zum Anderen … Die Frau merkt die Wehen nicht mehr, die Geburt zieht sich hin – und am Ende landet die gesunde Frau im OP. Und das nur, weil wir nicht in der Lage waren, Alternativen zu suchen oder zu hinterfragen. Am Ende eben steht genau diese Frau da und sagt ,,Geburt? Nein nie wieder“. Wie schade das doch ist. Und ähnlich verhält es sich mit allen anderen Dingen sei es Wehentropf, Einleitung, Saugglocke, Dammschnitte, Beckenendlage, das frühzeitige Abnabeln usw.. Selten gibt es wirklich eine begründete Notwendigkeit jetzt hier einzugreifen. Die Natur wird es richten – das hat sie immer  – auch bevor es diesen ganzen Kram gab.

Ich finde es so unglaublich wichtig, dass wir Frauen uns wieder besinnen – wenn wir ehrlich sind, wir sind dafür auf der Welt Kinder in die Welt zu setzen. Das ist so! Und wir können das, wenn wir wieder anfangen uns als Frauen mehr zu vertrauen – uns mit unserem Körper auseinander zu setzen. Und das fängt schon viel früher an: Wenn ich teilweise im Internet lese, dass Frauen nicht mal wissen wie ihr Körper zyklustechnisch funktioniert, dann brauchen wir uns nicht wundern, dass die Frauen nicht wissen, was wir bei einer Geburt alles in der Lage sind alleine zu leisten und vorallem, was unser Kind leistet – denn scheinbar weiß unser Baby zu 1000 Prozent  – ganz genau was es tun muss. Als würde es ein Leben lang nichts anderes machen. Und wir, deren Bestimmung es ist, sind gelenkt von Angst, Missvertrauen und klammern uns an jeden medizinischen Strohhalm den es gibt.

Was ich noch viel schlimmer finde: Frauen die sagen: ,,Warum soll ich mir um die Geburt Gedanken machen – ich gehe da hin – leg mich auf die Pritsche und der Rest wird schon laufen“. Wählen wir uns einen Friseur oder eine KFZ-Werkstatt aus, schauen wir uns das an – wägen ab – testen und probieren und sind mega kritisch. Geht es um eine der wichtigsten Dinge auf der Welt, akzeptieren, tolerieren wir und haben schlussendlich nicht mal Ansprüche. Warum? Noch besser finde ich die Paare ,,Wir entbinden dort, weil unsere Bekannten auch zufrieden waren“. Für mich funktioniert das nicht. Jeder hat doch ganz andere Ansprüche, Prioritäten und Wünsche. Was für den einen funktioniert – funktioniert für den anderen überhaupt nicht.

Was ich sagen möchte: Hinterfragt euch, hinterfragt Eingriffe und seid so selbstbewusst und fordert Dinge ein. Selbst im Krankenhaus ist es möglich eine selbstbestimmte Geburt zu erleben – das geht aber nur, wenn ich wisst, was das Richtige für euch und euer Kind ist. Man kann euch zu nichts zwingen. Und am Ende ist hier auch ganz klar der Partner gefragt, der während der Geburt auch klipp und klar sagen kann, was gewünscht ist und was nicht.

Puhhh das war viel – nicht wahr? Um jetzt die Kurve zu kriegen: Ich habe mich für unser Geburtshaus entschieden, weil ich weiß, dass ich die Geburt alleine schaffe, ich meinem Baby vertraue und sämtliche Eingriffe (sofern medizinisch keine Komplikation im Raum steht) ablehne. Ich möchte mir und meinem Baby den Start in ein vertrautes Umfeld ermöglichen. Der Wurm hat die nächsten Wochen genug Dinge, die auf ihn einprasseln werden, da möchte ich uns diese Stunden, der „Trennung“ und Neufindung so schön wie möglich gestalten. Ich weiß ich habe eine großartige Hebamme an meiner Seite, die da ist wenn ich sie brauche – die geht, wenn ich alleine sein möchte. Ich habe vorallem eine 1:1 Betreuung – die steht mir zu! Denn wie würde meine Hebamme jetzt sagen? „Es ist nicht egal wie wir geboren werden“.

Christin

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1 Comment

  • Reply
    Meine Geburtsvorbereitung | Unser kleines ich | Baby Blog
    2. November 2016 at 12:26

    […] mir die Geburt für mich und mein Kind vorstelle. Schon von Anfang an stand fest, dass wir Nora im Geburtshaus zur Welt bringen möchten. Das hat mir Ruhe und Gelassenheit gegeben – wohl einer der […]

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