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Petra, unsere Alleingeburt – Geburtsbericht

Bericht über eine Alleingeburt
  1. Magst du uns kurz etwas über dich / euch erzählen?
  2. Ist Jette euer erstes Kind gewesen?
  3. Was hat euch dazu bewogen, euer Kind alleine zuhause zu gebären?
  4. Wie hat dein Mann / Lebensgefährte reagiert, als du ihm von deinen Plänen erzählt hast?
  5. Was kannst du anderen werdenden Mamas mit auf den Weg geben, die den Plan haben zuhause zu gebären oder vielleicht noch Zweifel haben?
  6. Sind bei euch weitere Kinder geplant?

 

Liebe Petra, vielen Dank für deine Antworten. Nun zu deinem Bericht.

Geburtsbericht von Petra und ihrer kleinen Jette

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jette-alleingeburtAm 27. Juli 2014 um ca. 21.42 Uhr wurde unsere Tochter Jette geboren. Jette hatte ein Geburtsgewicht von 2780 Gramm und war 48 cm lang, mit einem Kopfumfang von 32cm.
Sie kam innerhalb von etwa 2 Stunden im Whirlpool, in unserem Wohnzimmer zur Welt. Die Geburt war sehr entspannt und ruhig, da wir uns lange darauf vorbereitet haben und wir dem freudigem Ereignis schon eifrig entgegen gefieberten. Um 19.00 Uhr haben wir den Pool aufgebaut und eine halbe Stunde später habe ich schon im warmen Wasser gesessen, mit immer intensiver werdenden Wehen. Wir haben gegen 20 Uhr noch entspannt Abendbrot gegessen und einen Film geschaut, Andre hat Schnittchen geschmiert, die ich im Wasser genüsslich verschlungen habe. Zu dieser Zeit waren die Wehen schon bei Abständen von etwa 3 bis 4 Minuten, Andre hat immer fleißig die Zeit gestoppt und ich habe mich ganz entspannt von Wehe zu Wehe gearbeitet und verschiedene Positionen ausprobiert, bei denen ich das Köpfchen sanft mit schieben konnte. Ich hatte keinerlei Schmerzen, allerdings viel Druck vom Köpfchen, das sich immer mehr intensivierte, so wusste ich dass ich mein Kind bald in den Armen halten werde.
Um etwa 21.00 Uhr hat Andre unsere liebe Hebamme Sandra darüber informiert, das sie noch nicht ins Bett gehen braucht, da unser Kind nicht mehr lange auf sich warten lässt, ich habe allerdings entschieden, dass ich sie in dem Moment noch nicht brauche, weil alles doch recht schmerzlos war und ich mit dem Druck gut umgehen konnte, ich musste ihn nur leicht weg atmen. Kurze Zeit später wurden die Abstände allerdings so rasant kürzer, dass Andre gar nicht mehr zum Stoppen kam und er mir nicht mehr von der Seite wich, Zeiten waren jetzt völlig egal. Als ich dann nur noch Druck merkte und keine Pause mehr dazwischen war, sah ich an mir herunter und bemerkte die herausragende Fruchtblase, die mit einem lauten Knall platzte. Andre wuselte gerade an irgendetwas herum und ich sagte ihm nur noch, dass er jetzt Sandra anrufen kann, da die Blase geplatzt ist, er telefonierte dann auch sofort mit ihr und ich habe nur noch gesagt, dass das Fruchtwasser klar ist und keine Trübung hat. Er kam gerade noch zum Auflegen des Hörers, als sich mein ganzer Körper versteifte und ich nur noch mit schieben konnte, Andre kam angestürmt und hielt sich an meiner Hand fest und wusste in seiner Aufregung nur mich zu streicheln und bei mir zu sein. Mir war bewusst, das mit dem anhaltenden Druck jetzt nicht mehr viel Zeit bleibt und ich sah, dass das Köpfchen sich heraus schob und sagte zu Andre, er soll bitte mit der Hand gegen den Kopf halten, sodass er langsam geboren wird. Mit dem Köpfchen kam in einem Schwung dann auch gleich das ganze Kind, was sich als kleines, graues Bündel im Wasser hervor tat. Ich war so angespannt in diesem Moment, dass Andre beherzt Zugriff und diesen kleinen Menschen aus dem Wasser heraushob und mir in die Hände drückte, ich allerdings habe die ganze Zeit nur den Rücken meines Kindes gesehen und musste mich dann erst einmal orientieren. Instinktiv habe ich meinem Kind den Rücken gerieben und an dem Kopf gelauscht, wie und ob es atmet, oder etwa röchelt. Ein paar Minuten habe ich mein Kind so gehalten, damit eventuell Fruchtwasser aus Mund und Nase ablaufen konnte und es nichts verschluckt und in diesen Minuten bekam mein Kind auch schon eine gute Farbe.

Noch immer wussten wir nicht, was es ist, bis ich Andre irgendwann einmal gesagt habe er soll mal nachschauen, was wir denn bekommen haben. Ich habe mein Kind also gedreht und mir an die Brust gelegt und Andre hat geschaut, ein Mädchen!
Danach habe ich mich ganz entspannt an die andere Poolwand gelehnt, sodass ich aus der Hocke ins Sitzen kam und in Ruhe meine Tochter betrachten konnte, die ich mit einem Handtuch zugedeckt habe. Nachdem Andre seine Tochter und mich gut versorgt hatte, war er so aufgeregt, dass er gleich zu Farin ins Zimmer gegangen ist, um ihn zu holen und zu verkünden, dass er jetzt der große Bruder seiner kleinen Schwester ist. Farin betrachtete uns beide mit gebührendem Abstand, er traute sich nur an die vordere Seite des Pools und machte einen langen Hals um seine Schwester zu sehen. Jetzt kam auch Sandra, Andre ging nach dem Klingeln an die Tür und lies sie herein. Da die Geburt zu der Zeit schon vor etwa 20 Minuten war, entschieden wir uns die Kleine noch im Wasser abzunabeln, damit der Papa seine Tochter gut eingewickelt endlich auf den Arm nehmen konnte. Ohne zu Zögern hatte Andre das kleine Bündel Mensch an sich genommen und fing auch sofort an ihr etwas zu erzählen und mit ihr durch die Wohnung zu laufen. Ich stieg aus dem Pool und legte mich auf unser Sofa und legte mein Kind dann auch gleich das erste mal an, weil sie Hunger meldete. Sandra versorgte mich in der Zeit und versuchte dann mit mir zusammen die Plazenta zu entbinden, was sich allerdings nach gut 20 Minuten immer noch als sehr schwierig darstellte. So entschieden wir uns in das 20 Kilometer entfernte Spital Leugern zu fahren, in dem sie Beleghebamme ist, um die Plazenta manuell zu entfernen, denn bei einer Entfernung unter Narkose, hätte ich mindestens 6 Stunden im Spital bleiben müssen. Andre war also mit beiden Kindern allein zu Hause und ich im Spital. Als wir an kamen, gingen wir sofort in den Kreißsaal um keine Zeit zu verlieren, jetzt wurde mir der Ernst der Lage auch bewusst und ich legte mich aufs Bett und Sandra und ich entschieden uns dazu es noch einmal zu probieren. Wir konnten es beide gar nicht fassen als die Plazenta plötzlich mit einer Leichtigkeit und einem Ruck am ganzen Stück heraus kam. Da kam auch schon die zuständige Ärztin und begutachtete das gute Stück und gratulierte mir zu der Geburt meines Kindes.
Alles in allem konnte ich ohne Probleme Laufen, schmerzlos duschen und mich selbst versorgen, mit einem minimalen Blutverlust (etwa 200ml während der Abnabelung und der Geburt der Plazenta). Als ich wieder zu Hause war, haben wir Jette erst einmal in Stoffwindeln gelegt und mit Jüppchen und Strümpfen versorgt, auch ihr Hunger war beträchtlich, sodass ich bis in die Nacht in aller Ruhe Stillen konnte und mein Kind im Arm hielt. Andre hat sich dann mit seinem Kind ins Bett gelegt und ich konnte vor Aufregung und Adrenalin nicht schlafen, sodass ich die Zeit genutzt habe um Aufzuräumen und Essen vor zu kochen.

Die ersten 6 Wochen waren nun sehr aufregend, mit vielen Hochs und jeder Menge Fortschritte, sowie unendlicher Freude jeden Tag, auch kleinere Tiefs blieben nicht aus, jedoch bereuen wir Beide unsere Entscheidung und Vorgehensweise nicht einen Moment. Jette wiegt nun schon über 4 kg, kommt nachts nur noch aller 3,5 bis 4 Stunden, fährt gern Kinderwagen, hasst das Autofahren und liebt es im Tuch getragen zu werden.

Wir haben beide noch viel durch unser Kind dazu gelernt, z.B.:

  • Babys brauchen keine Seife, Badezusätze und Cremes, Jette wird jeden Abend nach dem Baden von Andre mit Olivenöl „mariniert“ und hat eine fantastische Haut, Wasser reicht völlig aus, ob zum Baden oder Wickeln!
  • 0 € für Wegwerfwindeln auszugeben, ich liebe es meine Stoffis zu waschen und auf der Leine im Wind flattern zu sehen (3 Stunden Maschinenwaschen, 3 Stunden Trocknen)
  • Feuchttücher waren gestern, wir haben Mikrofaserlappen in tollen Farben für 3,80CHF /8Stück (5 Packen gekauft, und nur mit Wasser verwenden)
  • Puder oder Wundcreme brauchen wir nicht!!! Bei der letzten Milchumstellung hatte sie einen leicht wunden Po, den ich innert 1 Tag erfolgreich mit Heilwolle behandelt habe
  • Stilleinlagen gibt’s auch zum Waschen, ich liebe meine denn sie lassen Luft an die Haut un dmeine Favoriten haben eine Seiden- und Wolle Seite, so brauch ich keine Wundcreme
  • Unser Kind liebt ihre windelfreie Zeit am Tag (meist mit Andre von 17.30 Uhr bis zur Badezeit gegen 21 oder 22 Uhr) und sie zeigt ganz genau was sie möchte!
  • Tragetücher sehen nicht nur toll aus, sie sind aus unserem Alltag nicht mehr weg zu
    denken… Hände frei fürs Kochen, den Haushalt, Einkaufen… Wohlfühlzeit für Jette zum Schlafen, Kuscheln und um die Verdauung in Schwung zu bringen… für Andre die Gelegenheit intensiven Kontakt zu haben und sein Kind auch ohne Brust beruhigen zu können
Christin
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Petra, unsere Alleingeburt – Geburtsbericht

von Christin Geschätzte Lesezeit: 6 min
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