Unser Familienchaos

Das wahre Leben mit Kind

Als ich mit Nora schwanger war habe ich viele Blogs, Bücher und Elternratgeber gelesen. Natürlich wurde mir auch von Freunden und der Familie von schlaflosen Nächten, blutenden Brustwarzen und trotzenden Kindern erzählt. Ich fand es immer bewundernswert was man so alles für die Mäuse auf sich nimmt – konnte mir aber bei weitem nicht vorstellen, wie das ist, wenn man selbst in der Situation steckt.

Heute bin ich Mutter einer fast einjährigen Tochter und beginne, dass erste Jahr Revué passieren zu lassen und mache mir meine Gedanken zu einem zweiten Kind. Wollen wir das? Schaffen wir das? Wollen wir gegegebenfalls all das nochmal „durchmachen“? Komplett fühle ich mich noch nicht und verabschiedet vom Schwangersein habe ich mich auch nicht.

Es haben mich viele gefragt, ob ich mal berichten könnte, wie das Leben mit Kind ist. Genau genommen, kann ich darüber noch gar nicht so viel berichten. Das wahre Leben geht nämlich erst im Februar los: KiTa und meine Rückkehr ins Angestetelltenverhältnis und damit in die Arbeitswelt stehen an #ichwerdeworkingmom.

Eins kann ich sagen: Das viele lesen, recherchieren und informieren hat sich gelohnt aber es hilft nicht bei der Bewältigung einiger Dinge. Und dann kommt natürlich immer dazu: Jedes Kind ist anders. Das eine ist eine Nachteule, das nächste ein Vielschläfer, das eine Baby mag Brei – das andere nur BLW. Man kann sich nicht wirklich vorbereiten – aber Wissen macht entspannt. Wenn sie beim einschlafen abends kreischte wir verrückt wussten wir, weshalb. Wir machten uns keine Sorgen.

 

Fast täglich an seine Grenzen und noch viel weiter gehen

Natürlich ist es unfassbar schön, Eltern zu werden. Die Geburt, dieser magische erste Augenblick mit Baby, die ersten Wochen kennenlernen und beschnuppern. Das Gefühl, man würde alles für sein Kind tun. Diese kleinen Finger die dich halten. Aber es gibt eben auch diese Momente gefüllt voll Sorge, Angst, Müdigkeit! (ohja, wir waren das erste Jahr quasi Dauermüde) und eben auch manchmal Verzweiflung. Doch das erzählt einem niemand vorher! Vielleicht auch gut so, so würde man sich vielleicht wirklich fragen, ob man sich das antun möchte.

Unser erstes Jahr bestand, neben all den unfassbar voll mit Liebe gefüllten Momenten, aus: 7 Monate schlaflose Nächte, Dauertragen und -stillen, Bauch- und Zahnweh, Angst zu versagen, nicht den Richtigen Weg zu finden, dem Kind Unrecht zu tun. Ich könnte da noch einiges ergänzen. Ich kann nur sagen: dauerhafter Schlafmangel ist Höchststrafe 🙂 Aber das und noch viel mehr nimmt man in Kauf. Wenn man sich mit den Gründen für all das beschäftigt noch viel mehr.

 

Was hat sich denn nun genau bei uns geändert?

Das komplette Leben und die eigenen Prioritäten ändern sich von heute auf morgen um 180 Grad. Man stellt sich selbst zurück (gibt sich aber natürlich nicht auf). Aber manche Dinge müssen jetzt eben warten.

Einige Beispiele:

Das Kind beendet den nächtlichen Schlaf für ALLE und beginnt damit den Tag (5 Uhr ist keine schöne Zeit am Wochenende aufzustehen :P).

Ewig im Bett liegen bleiben und lümmeln? Nicht mit Nora.

Ausschlafen? Schon gar nicht. Wenn sie bis 8 Uhr durchhält, mache ich ein Kreuz in den Kalender.

Zuerst wird das Kind angezogen – dann komme ich.

Es gab Zeiten, da kam ich tagsüber überhaupt nicht zum duschen –  manchmal war selbst essen ein Problem.

Spontane Ausflüge? Enden im absoluten Packchaos – Windeln, Trinken, Snacks, Wechselklamotten, Dreirad. Alles dabei?

Gemütlich auf der Couch sitzen? Nicht mit meinem Kind. Als Tragling wollte sie als Säugling nie einfach so irgendwo sitzen.

Spätestens 18 Uhr sollten wir daheim sein – dann brauch sie Ruhe und das Abendritual beginnt.

Einschlafbegleitung immer zu.

Ich muss manchmal mit ihr ins Bett, obwohl ich gar nicht müde bin.

Genau genommen bestand mein 1. Jahr mit Nora aus: Tragen, Stillen, Windeln wechseln, Einschlafbegleiten und am Boden sitzen und sie beobachten. Es gibt noch etliche andere Situationen, die man  aufzählen könnte. Unser Leben hat sich allgemein sehr entschleunigt, weil man die süßeste Bremse hat, die man sich vorstellen könnte. Man plant länger im Voraus Termine, Reisen, Besuche. Nutz seine Zeit besser: ich versuche jeden Babyschlaf so effektiv wie möglich zu gestalten. Ich schaffe es mittlerweile problemlos in 30 Minuten die ganze Wohnung alibimäßig clean zu bekommen.

Nun, jetzt bin ich gespannt, wie sich unser Alltag mit Kindergarten und Arbeit einpegeln wird. Auch hier warten neue Herausforderungen und Management auf uns – gerne berichte ich euch dann in einem Jahr „wie das Leben mit Kind so ist“ 🙂

Für mich ist Nora das schönste aber auch anstrengendste zugleich, was mir in meinem Leben passiert ist. Aber eins steht fest: Ich möchte dieses Wunder nochmal erleben.

Christin
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Das wahre Leben mit Kind

von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
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