Geboren werden Unser Familienchaos

Mein Geburtsbericht

Spaziergang SchwangerEs ist der 13.12.2016. Ich wurde wach, und schon der Start in den Tag fühlte sich merkwürdig an. Ich habe den Vormittag noch gearbeitet und entschloss mich dann mit meiner Nachbarin und ihrem Sohn spazieren zu gehen. Ich schob fleißig den Kinderwagen bergauf und bergab 😈 Da es regnete beschlossen wir uns auf den Rückweg zu machen und trennten uns vor ihrer Wohnungstür. Zuhause angekommen war ich im Bad um mich wieder in meine Gammelkleidung zu werfen als es plötzlich nass in der Hose wurde. Das war gegen 17.30 Uhr. Ich war mir unsicher ob das Fruchtwasser gewesen sein könnte oder nun doch der Beckenboden nicht mehr richtig funktioniert. Ich testete mit einem PH Test während es weiter schwappte. Der Test wurde blau und es bestätigte sich damit das es ein Blasensprung war. Voller Vorfreude rief ich meinen Mann an, der sich auf dem Weg von der Arbeit zum Friseur befand. Er machte sich direkt auf den Weg heim. Ich informierte meine Hebamme und wir verabredeten uns für 20.30 Uhr im Geburtshaus um vor der Nacht ein CTG zu schreiben. Ich konnte mir noch gar nicht vorstellen dass es jetzt wirklich losgehen könnte. Von Wehen war nämlich keine Spur. Wir entschlossen uns noch gemütlich zu kochen und Kraft zu tanken. Gegen 19.45 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Geburtshaus. Die Autofahrt war entspannt und wir witzelten noch rum.
Geburtshaus HolzheimIm Geburtshaus angekommen wurden wir herzlich empfangen. Wehen gab es noch keine spürbaren. Unsere Hebamme schrieb CTG über 15 Minuten und fragte uns ob wir gerne bleiben möchten oder nochmal heim fahren. Wie beschlossen vorerst eine Runde im Ort zu laufen und dann eine Entscheidung zu treffen. Auf unserem Spaziergang kamen ein paar Wehen aber nix aufregendes. Wieder im Geburtshaus angekommen haben wir entschieden nochmal heim zu fahren. Gesagt getan …. aber schon auf auf der Hälfte der Strecke kamen die ersten stärkeren Wehen. Zuhause angekommen wollte ich mich ins Bett legen und noch ein wenig ruhen. Nach 20 Minuten war daran allerdings nicht mehr zu denken. Die Wellen wurden so stark, das ich mich Zuhause nicht mehr wohl fühlte. Schon 22.45 Uhr schrieb ich der Hebamme das wir wieder zurückkommen. Mein Mann kochte sich noch einen Kaffee und schon saßen wir wieder im Auto Richtung Geburtshaus. Die Stimmung war immer noch total entspannt und freudig. Die Autofahrt war soweit okay. Wobei ich schon die ein oder andere Wehe veratmen musste. Zurück im Geburtshaus (23.35 Uhr) fanden wir eine wunderschöne Atmosphäre vor. Alles war gedimmt und duftete toll. Getränke und Süßigkeiten standen bereit. Wir richteten uns häuslich ein und ich bin dann direkt in die Geburtswanne. Die Wehen kamen regelmäßig aller 4 Minuten. Dort verbrachte ich die komplette Eröffnungsphase bis ca. um 3 dann war der Muttermund komplett eröffnet. Die Hebamme war sehr zufrieden und sagte das es für die erste Geburt wirklich sehr schnell geht. Bis dahin waren die Wehen auch wirklich toll aushaltbar. In keinem Moment hätte ich daran gedacht Schmerzmittel zu brauchen. Davon abgesehen hätte es im GH auch nix gegeben. Recht schnell setzten jetzt die ersten Presswehen ein. Die ersten ließen sich noch sehr gut veratmen. Aber ich hatte dann doch das verlangen mitzuschieben. Das war wirklich erleichternd jetzt aktiv werden zu können. So ging Presswehe für Presswehe vorbei und die Hebi meinte das sie schon sehr gut steht mit dem Kopf. Ich wechselte aus der Wanne in den Stand ans Tuch und versuchte es der Kleinen Maus etwas einfacher zu machen. Unsere Hebamme sah mittlerweile beim pressen ein Stückchen vom Kopf.

Die Stimmung war immer noch richtig gut. Mein Mann konnte mich großartig unterstützen und wir waren jetzt total motiviert. Der Kopf kam gut und wir dachten „Jetzt ist es bald geschafft“. Das muss gegen halb 3 oder 4 gewesen sien. Doch wieder verging eine Wehe nach der anderen und nix ging voran. Wir wechselten aufs Bett und lagerten mich immer wieder um. Auf dem Bett waren die Wehen überhaupt nicht auszuhalten. Mittlerweile gab es kaum noch eine Pause zwischen den Presswehen. Gegen 8 Uhr besprachen wir das weitere Vorgehen. Wir redeten ganz klar über einen momentan Geburtsstillstand. Der Blasensprung war jetzt auch schon eine Weile her. Es bestand Handlungsbedarf. Wir hatten bis hier alles probiert. Aber das Köpfchen rutschte nach jeder Wehe wieder ein Stück zurück. Mittlerweile stand der Kopf soweit unten das man nur bis zum ersten Fingergelenk also Fingernagelhöhe tasten musste und schon merkte man einen warmen Kopf. Die Herztöne der kleinen Maus waren immer noch top. In Ermangelung der weiteren Möglichkeiten entschieden wir uns für eine Verlegung ins KKH. Da brach für mich kurz die Welt zusammen. In Gedanken spielte ich schon die nächsten Stunden bis zum KS durch. Ich war verzweifelt und dachte direkt „es war alles umsonst“. Unsere Hebamme rief im nächstgelegenen KKH an … die waren aber voll. So mussten wir uns für ein KKH in 30 Minuten Entfernung entscheiden. Nach nicht mal 10 Minuten war der RTW da – es war nun schon 9.15 Uhr Wie ferngesteuert zog ich mich alleine an … wollte keine Hilfe und lief alleine über den Innenhof des Geburtshauses und stieg in den RTW. Immer wieder unterbrochen von einer heranrollenden Presswehe. Im RTW wurde ich in die Seitenlage gebracht und für den Transport fixiert.

Krankenhaus Bad NauheimDie Fahrt war für mich die absolute Hölle. Jeder Huckel löste gefühlt eine neue Presswehe aus und ich wusste das die Schmerzen dieser vergebens sind weil sie nichts bewirken. Die Fahrt kam mir wie eine Ewigkeit vor. Mein Mann und unsere Hebamme fuhren hinter dem RTW. Der Rettungsassistent (Azubi, männlich um die 24 Jahre) tat mir etwas leid. Er meinte immer ich soll doch die Wehen veratmen 😈😈 Meine Nerven waren am Ende und er bekam es ab 😅 Nach 25 Minuten kamen wir im KKH an und ich wurde direkt in den Kreißsaal geschoben … dort wurde ein Ultraschall gemacht. Dieser bestätigte die Vermutung unserer Hebamme … die Kleine Maus hatte den Kopf nicht 100% eingestellt und lag quasi ein paar Grad zu schief. Damit drückte ich sie mit jeder Presswehe gegen meine Symphyse. Es gab jetzt 2 Möglichkeiten. Nochmal 45 Minuten lagern und schauen ob sich der Kopf noch einstellt oder Kaiserschnitt. Da wir 1. bereits im GH probiert hatten und ich keine Kraft mehr hatte entschied ich mich schweren Herzens für den KS. Es wurde direkt im OP angerufen und ich wurde fertig gemacht. 10.45 Uhr ging es direkt runter in den OP. Unter Presswehen unterschrieb ich alle notwendigen Unterlagen. Im OP angekommen musste ich mich hinsetzen für die Spinal. Immer wieder unterbrochen von Wehen. Durch meine Skoliose (ca. 55 Grad) gab es bereits im Vorfeld Bedenken. Nicht unbegründet wie sich herausstellte. Die Spinal wurde gesetzt … man hat es kaum gemerkt. Ich war sehr erleichtert. Danach wurde es warm im Po und ich dachte alles ist gut. Nach 5 Minuten ( mein Bauch war schon komplett mit Jod eingepinselt) sollte mein Mann nachkommen. Vorher wurde getestet ob alles gut betäubt ist. Leider war jeder Test so, dass ich noch alles spürte. Die Spinal ging vorbei … meiner Skoliose geschuldet. Ab da an ging alles ganz schnell und es wurde unruhig im OP. Ich hörte von hinten “ die Herztöne sacken weg“. Und kaum hatte ich mich versehen hatte ich ohne Vorwarnung eine Maske auf dem Gesicht. Nach 3 Atemzügen war ich weg.

GeburtDas erste woran ich mich wieder erinnern kann … ist eine weiße Decke und ein grelles Licht über mir … 🏩 ich lag im Aufwachraum. Bewegte mein linkes Bein …. alles gut … bewegte mein rechtes Bein und spürte NICHTS … tastete meinen Bauch und da war Leere. Zum Glück kam fix jemand den ich wegen meines Beines befragen konnte. Man sagte mir es wird besser. Die Spinal hätte wohl teilweise doch gewirkt aber an der falschen Stelle. Nach 10 Minuten hieß es das ich zu meinem Kind und Mann dürfte. Ich wurde abgeholt und über die Gänge geschoben und hielt vorm Kreißsaal. Die Tür ging auf und ich schaute in ein erleichtertes Gesicht und gläsrige Augen meines Mannes. Auf seiner Brust ein kleines Häufchen Mensch. Erinnern kann ich mich an sonst nichts mehr. Danach fehlen mir gut 15 Minuten. Aber ich weiß, dass ich sehr sehr glücklich war.

Wenn man mich fragt war es eine super Geburt. Ein einmaliges Erlebnis. Der Kaiserschnitt war nicht schön aber notwendig. Mittlerweile nach 14 Tagen gehe ich okay damit. Es war nicht umsonst. Ich habe vorher alles gegeben. Und es war ein Traumstart im Geburtshaus. Ich würde es immer wieder so machen. Ich konnte mein Wissen über Hypnobirthing perfekt nutzen. Es hat mich beruhigt und die Atmung war so hilfreich. Bis zu den ewig dauernden Presswehen würde ich unsere Geburt (bis zum Kaiserschnitt) auch dank Hypnobirthing oder gerade deswegen als sehr schmerzarm bezeichnen.

Christin
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1 Kommentar

  • Reply
    Was ich in der 2. Schwangerschaft anders oder wieder so machen würde! | Unser kleines ich | Mama & Lifestyleblog
    19. Oktober 2017 at 11:13

    […] ins nächstgelegende Krankenhaus, direkt in den OP. Wer dazu mehr wissen möchte, kann gerne meinen Geburtsbericht […]

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    Mein Geburtsbericht

    von Christin Geschätzte Lesezeit: 6 min
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