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Zwischen Kunden und Windeln: Selbstständig mit Baby – Mein Fazit

selbstständig mit baby

Nicht ganz freiwillig machte ich mich 2015, nach einem Umzug von meinem geliebten Leipzig in den Taunus bei Frankfurt am Main, selbstständig. Zu diesem Zeitpunkt war das Thema Kind noch in der Warteschleife. Ehrlich gesagt, hatte ich soweit gar nicht gedacht – also „was wäre wenn“.

Schnell spielte sich alles ein und man entwickelte einen Tagesablauf und Routinen. Wenn man vorher jahrelang in Anstellung war ist das gar nicht so leicht. Denn neben dem Vorteil, dass man eben alles so machen kann wie man will – hat man eben auch erstmal das Problem, dass man alles Strukturen entwickelt und erarbeiten muss.

Schwanger mit Vorzügen

schwanger selbstständig2016 war ich dann mit Nora schwanger. Die Selbstständigkeit lief sehr gut und ich hatte durchaus Vorzüge aus diesem Modell. Ich konnte mehr oder weniger entspannt von daheim arbeiten, mich frei bewegen und halt auch schlafen wenn ich müde war oder es mir nicht gut ging. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich eine sehr einfache und entspannte Schwangerschaft hatte. So wirkliche Probleme wie Übelkeit oder ähnliches hatte ich nie – lediglich die Wassereinlagerungen waren zum Ende hin unangenehm und erschwerten mir das sitzen.

Trotzdem war ich sehr, sehr froh, nicht täglich das Haus früh das Haus verlassen zu müssen – schon gar nicht zeitig aufzustehen. Ich konnte relativ entspannt in den Tag starten, ausgiebig frühstücken und dann zur Tat schreiten.

Mutterschutz? Was ist das?

Wer selbst selbstständig ist oder war weiß, dass Mutterschutz im klassischen Sinne nicht existiert und tatsächlich kann und will sich das kaum jemand leisten. Natürlich kam auch dazu, dass ich noch recht frisch selbstständig war und noch gar keinen finanziellen Puffer aufgebauen konnte, der das zugelassen hätte, am Ende etwas kürzer zu treten. So arbeitete ich selbst am Morgen (14.12.2016) an dem abends die Geburt los ging. Natürlich nicht mehr in vollem Umfang – aber ich war jederzeit auf Abruf und arbeitete letzte Ding im Weihnachtsgeschäft ab.

Wunschdenken vs. Realität

In meinen Vorstellungen lief das mit Nora dann so ab, dass ich das Wochenbett natürlich gemütlich mit Baby auf der Couch verbringe, jedoch nach den 8 Wochen wieder langsam starte. Ich wollte immer dann arbeiten, wenn Nora schläft. Durch ein Tragetuch oder Tragehilfe klappt das sogar ganz einfach. Tatsächlich ging das bis zum 4. Lebensmonat ganz gut – sie schlief nachts sehr gut (wurde alle 3 bis 4 Stunden gestillt) und tagsüber schlief sie mehr, als das sie wach war. Schlummerte nach jeder Stillmahlzeit einfach ein und lies sich sogar in 90% der Fälle ablegen. In diesen 2 Monaten nach dem Wochenbett konnte ich super arbeiten und war regelrecht verwöhnt.

Selbstständig mit BabyDies änderte sich schlagartig. Nora schlief nachts irgendwann sehr, sehr schlecht – das heißt, der Tag startete schon mit dicken Augenringen und einer Konzentration, die vom Bett zur Kaffeemaschine reichte. Auch tagsbüber nahmen die Schlafphasen rapide ab – wenn ich Glück hatte schlief sie zweimal am Tag für maximal 2 Stunden. Wenn es blöd lief, schlief sie nur einmal kurz gegen Mittag. Oft aber nur auf mir – also in der Trage. Arbeitstechnisch ging relativ schnell nichts mehr oder verlagerte sich auf die Abendstunden. Ich weiß, viele Kolleginnen geben ihre Kinder dann bereits mit 6 Monaten in eine Betreuung oder zur Familie – das war aber absolut nicht mit meinem Gewissen und unserer bedürfnisorientierten Auffassung zu vereinbaren.

So stellte ich die Arbeit so gut es ging zurück. Zwischenzeitlich mussten gewisse Arbeiten einfach erledigt werden – dies sorgte nicht selten zum einem absoluten mega Stresslevel in mir. Ich lief zeitweise, auch bedingt durch den Schlafmangel, am Limit.

Mein Arbeitspensum wurde immer kleiner – Nora schlief mittags nur noch auf mir – zuletzt nur noch draußen im Kinderwagen. Das machte arbeiten komplett unmöglich. Alles was anläuft, muss abends erledigt werden – in maximal 2 Stunden. Irgendwann muss man einfach runterfahren – brauch Ruhe und hat auch noch einen Ehepartner, der mit gutem Recht Aufmerksamkeit verlangt.

Fazit nach einem Jahr

Working MomIn der Konstellation wie es bei uns lief – ohne Clan, ohne Betreuung – halt ohne Plan B, als Mama und Geschäftsfrau mit hohen Ansprüchen an sich und seine Arbeit und halt als Mama, ist es einfach nicht machbar PUNKT. Man kann kein Business führen, ein Baby „betreuen“, den Haushalt erledigen, einkaufen, Ehefrau und Freundin sein. Irgendwas fällt hinten runter. Und das durfte für mich in keinem Fall Nora und mein Mann sein. Der Haushalt kann mal einen Tag warten – kein Thema. Viele beschäftigen dann einfach eine Haushaltshilfe – anders ist es nicht machbar. Ja nach Marke Kind ist es natürlich ganz unterschiedlich – wie so eine Selbstständigkeit mit Baby aussehen kann. Hat man ein Exemplar Vielschlafer und Alleinespieler mag es noch gehen – wir hatten aber ein Wenig- und nur auf Mama/Papa-Schlafer und alleine beschäftigen? Maximal 5 Minunten.

Ich hatte sogar zwischenzeitlich in der Facebook Gruppe „Mompreneurs“ gefragt, wie das andere so machen – überall das gleiche. Entweder hat man frühzeit eine Betreuung oder aber man scheitert. Das kann ich nur bestätigen. Wie bereits erwähnt, stand eine so frühe Betreuung meines Kindes nie zur Debatte. Mittlerweile bin ich an dem Punkt, dass ich meine Selbstständigkeit aufgebe, für einen geregelten Tagesablauf und ein festes, „sicheres“ Einkommen mit Kind. Die Zeit war gut und toll – und ich schließe nicht aus, irgendwann wieder rückfällig zu werden und eine meiner vielen Geschäftsideen umzusetzen – aber nicht heute und nicht morgen.

Tipps für selbstständige Frauen mit Kinderwunsch?

Wenn man mich fragen würde, was ich für Tipps und Ratschläge habe, würde ich wohl antworten:

  • Selbstständig, Kinderwunsch, ohne Clan in der Nähe? Lass es!
  • Du hast kein Problem mit frühzeitiger Betreuung – also Tagesmutter oder KiTa? Dann mach es.
  • Verabschiede dich von einer sauberen Wohnung und einem vollen Kühlschrank – außer du kannst dir eine Haushaltshilfe leisten.
  • Mutterschutz? Fehlanzeige. Geht es dir in der Schwangerschaft schlecht brauchst du schnell eine Aushilfe oder verlierst Aufträge.
  • Dein Mann / Freund muss wohl oder übel einspringen – immer und am laufenden Band. Mitgehangen – mitgefangen.
  • Schaffe dir ein gutes finanzielles Polster im Vorfeld (hilft auch, dass das Elterngeld besser ausfällt).
  • Apropos: Wenn du nach Einkommen das Elterngeld berechnen lässt, darfst du nix dazuverdienen – ansonsten wird es angerechnet
  • Setze dir Deadlines und kommunziere diese ganz klar mit deinen Kunden.

// Bist du auch mit Baby / Kind selbstständig? Wie ist es dir im ersten Jahr oder auch in den ersten Jahren ergangen? //

Christin
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Zwischen Kunden und Windeln: Selbstständig mit Baby – Mein Fazit

von Christin Geschätzte Lesezeit: 4 min
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