Bedürfnisorientiert leben Tragen

Ich möchte mein Baby tragen – Ammenmärchen, Tipps & Hilfestellungen

Tragemami Online Shop
* Danke an Kathrina vom Online Shop „Tragemami“ für die Bereitstellung dieses tollen Blogfotos!

Den Ausspruch des Traglings in Verbindung mit unserem Nachwuchs haben sicher schon einige gehört oder gelesen – aber woher kommt das eigentlich?

Biologen unterschieden innerhalb der verschiedenen Tierarten zwischen Nesthockern, Nsstflüchtern und eben Traglingen – also z.B. Koalas, Kängurus, Primaten also uns Menschen. Wir kommen zwar auf die Welt – sind aber noch lange nicht in der Lage, uns selbst zu versorgen. Ganz hilflos sind wir darauf angewiesen, dass Mama und Papa uns versorgen. Ebenfalls ein Indiz dafür, dass wir geborene Traglinge sind, die Beugung der Gliedmaßen und der ausgeprägte Greifreflex. Dieser ist übrigens ein Überbleibsel aus der Zeit, wo die Babys sich ins Fell der Mutter krallen mussten.

Menschenkinder sind generell alle Frühgeburten. Die ersten 9 Lebensmonate eines Kindes können als äußerliche Schwangerschaft betrachtet werden.

Trotz, dass sich Tragen also soooo natürlich anhört, kursieren etliche Ammenmärchen und Vorurteile rund um das Baby tragen:

  1. Tragen ist nicht gut für die Hüfte
  2. Das Baby gewöhnt sich an das Geschleppe
  3. Kinder die permanent getragen werden entwickeln sich schlechter (motorisch als auch psychisch)
  4. Tragen ist für den Rücken der Mama schädlich
  5. Kinder frieren / schwitzen doch in der Trage oder im Tragetuch

Kein Argument von den genannten ist länger haltbar. Auf die Details möchte ich nachfolgend eingehen und euch auch Tipps geben, was ihr beachten solltet.

  1. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Recht früh nach der Geburt, wird die Hüfte des Babys bei einem Ultraschall betrachtet – einige Kinder haben Hinweise auf eine unreife Hüfte. Wo früher direkt die Spreizhose oder das breite Wickeln zum Einsatz kamen, kann bei leichten Abweichungen das Tragen Abhilfe schaffen. Das Tragen im Tragetuch vor Mama oder Papas Brust kommt der natürlichen Rückenform des Neugeborenen zu Gute. Erst mit dem aufrechten Gang wird aus der runden Rückenform eine S-förmige Haltung. Um tatsächlich keine Haltungsschäden „zu produzieren“ ist darauf zu achten, dass eine gute Tragehilfe benutzt wird. Darauf zu achten ist die Ermöglichung der  „Spreiz-Anhock-Haltung„. Bitte verzichtet auf Tragehilfe, bei denen das Kind mit dem Rücken zum Bauch getragen wird. Diese unterstützen weder die runde Rückenform noch die eben erwähnte Spreiz Anhock Haltung.
  2. Da Nähe und Wärme ein Grundbedürfnis eines jeden Säuglings sind – würde das bedeuten ein Kind mit der reinen Bedürfnisbefriedigung zu verwöhnen. Merkt ihr selber oder ?
  3. Hierfür gibt es zum Einen keinerlei Nachweise und Studien und zum Anderen finde ich gerade für die psychische / intellektuelle Entwicklung des Kindes das Tragen als sehr wertvoll. Das Kind wird frühzeitig im Alltag eingebunden und kann aus sicherem Abstand (Mama) die Welt entdecken. Sich aber auch komplett zurückziehen und die Augen schließen, wenn alles zu viel wird.
  4. Sofern Mama richtig trägt – nein! Natürlich kann es mit einer unpassenden Tragehilfe, die am besten noch falsch eingestellt ist, definitiv zu Rückenschmerzen kommen. Ist das Kind später größer und schwerer, trägt es sich am besten auf dem Rücken (bitte wartet damit, bis das Kind wirklich ausreichende Kopfkontrolle hat!)
  5.  Das Kind profitiert beim Tragen vom Körperkontakt zum Tragenden. Natürlich sollte man trotzdem darauf achten, dass Kind entsprechend zu kleiden. Also auch nicht zu warm! Für den Tragenden ist gerade bei kälteren Temperaturen eine Tragejacke oder ein Jackeneinsatz zu empfehlen.

 

Wie finde ich die richtige Tragehilfe für uns?

Die Angebote in der Schwangerschaft scheinen verlockend – und man ertappt sich schnell dabei, schon vorab eine Tragehilfe zu kaufen. Ich würde empfehlen, damit zu warten, bis das Kind auf der Welt ist. Denn nicht jede Tragehilfe ist für jeden geeignet – hier spielen auch u.a. Körßergröße und Statur des Tragenden eine Rolle. Auf Nummer Sicher geht man, wenn man mit dem Baby eine Trageberatung aufsucht. Wir lassen uns zu allem beraten aber oftmals machen wir da Halt und treffen vorschnelle Entscheidungen, wo es am wichtigsten wäre – bei unseren Kindern. Eine Trageberatung ist eine tolle Sache, um verschiedene Arten von Tragehilfen auszutesten und sich genau erklären zu lassen. Möchte ich eher ein Tuch oder eine Trage? Wie unterscheiden sich die einzelnen Tücher aber auch Tragen voneinander? Sitzt die Trage bequem? Diese und andere Fragen klärt man in einer persönlichen Beratung.

Wer mehr zu dem Thema lesen möchte kann sich hier gerne Interviews mit Trageberaterinnen durchlesen z. B. mit Katharina oder Peggy.

 

//Erzählt doch mal, ob ihr tragt und womit?//

Christin
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Ich möchte mein Baby tragen – Ammenmärchen, Tipps & Hilfestellungen

von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
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