Bedürfnisorientiert leben Bedürfnisorientierte Elternschaft Mama & Familie

Was bedeutet überhaupt bedürfnisorientiert?

Kann man eigentlich nicht bedürfnisorientiert mit seinen Babys und Kindern, als Familie, leben? Das wurde ich bisher ganz häufig gefragt. Ja kann man! So ist jedenfalls meine Meinung. Oft wird man verwundert angeschaut, wenn man berichtet, dass man bedürfnisorientiert lebe und bekommt ganz oft zu hören, dass das doch jede Familie mit Kind tut. Man würde ja schließlich immer auf die Bedürfnisse seines Kindes eingehen.

Dabei stelle ich oft fest, dass es nicht nur die ältere Generation ist, die es nicht versteht, dass man Kinder gleichwertig (also wie Erwachsene) behandelt – oft sind es auch  viele junge Menschen, die wenig Verständnis „für diesen neuen Trend“ (das muss ich mir dauernd anhören) haben.

Das Kind wickelt dich total um den Finger. Sie wird noch ewig in eurem Bett schlafen wollen. Stillst du etwa immer noch. Man kann das Kind auch mal schreien lassen.

Natürlich, wäre es wahrscheinlich oft viel einfacher – weniger stressig nicht bedürfnisorientiert zu leben. Wobei mich andauerndes Babygeschrei wohl vermutlich erst recht total unter Stress setzen würde.

Bedürfnisse erkennen und bedienen

Bedürfnisorientierte Elternschaft bedeutet für mich, die Bedürfnisse unserer Tochter und unsere (von mir und meinem Mann) zu erkennen und zu bedienen. Und das nicht auf biegen und brechen – sondern immer wieder reflektierend und angepasst an die Entwicklung, die Nora gerade durch macht. Unser Kind muss nicht auf Gedeih und Verderb 19 Uhr ins Bett, damit Mama und Papa endlich Zeit für sich haben. Das Kind geht ins Bett wenn es müde ist. Kommt unsere Tochter nur auf dem Arm zur Ruhe – so tragen wir sie und legen sie nicht einfach ins Bett, weil alle der Meinung sind, dass Kinder alleine einschlafen lernen müssen. Müssen ist ein Wort, was ich im Zusammenhang mit Kindern generell sehr oft höre – sie MÜSSEN doch in dem Alter etwas essen, müssen durschlafen, müssen sich an alles und nichts gewöhnen. Das einzige was ein Kind muss ist sich entwickeln und entfalten dürfen.

So wie sich die Bedürfnisse des Kindes mit seiner Entwicklung ändern, so ändern sich auch die Abläufe und damit auch unser Alltag. Es kristallisieren sich neue Einschlafrituale heraus. Was letzte Woche noch ging – scheint jetzt unmöglich geworden zu sein. Hier sehe ich uns als Eltern in der Pflicht darauf angemessen zu reagieren und nicht mit aller Macht alte Geflogenheiten durchsetzen zu wollen. Das einzige, was das mit sich bringt ist meiner Meinung nach Stress. Muss ein Kind alleine im Bett einschlafen, während es dazu aber gar nicht in der Lage ist (es gibt sehr viele Kinder, die eine aktive Schlafbegleitung brauchen) provoziert das förmlich eine abendliche Schreiorgie.

Vor ein paar Tagen postete ich eine Instastory, wie ich aufgrund meines nur auf mir schlafenden Kindes „hungerleidend“ zur Mittagszeit im Bett verweilte. Hier kommt man schnell in die Situation, sich zwischen der eigenen Bedürfnisbefriedigung und der des Kindes entscheiden zu müssen. Noch vor einigen Wochen konnte man Nora zum Mittagschlaf in ihr Bett legen und hatte in der Zeit die Möglichkeit, selbst zu essen. Nach dieser Story erhielt ich Nachrichten, warum ich denn nicht esse – ich soll doch mich nicht hinter das Kind stellen. In dem Moment schon. Denn im Gegensatz zu meinem Kind bin ich in der Lage meine Bedürfnisse kurzfristig zurückzustellen. Ein Baby mit 9 Monaten versteht nicht, dass es kurz warten muss bis es essen kann. Davon abgesehen weiß ich, dass das auf mir schlafen zum Mittag auch nur wieder eine Phase sein wird und auch diese wird vorbeigehen.

Bedürfnisorientiert leben heißt nicht, sich selbst aufzugeben.

Mit High-Need Baby aber auch ohne, kommt man mit Kind irgendwann an seine Grenzen. Garantiert. Hier ist es wichtig, den Absprung zu schaffen und sich Hilfe zu holen. Kleine Auszeiten zum lesen, baden oder schlafen.

… heißt nicht, sein Kind in Watte zu packen.

Viele denken, das bedürfnisorientiert heißt, permanent das Kind in Watte zu packen, es zu „verziehen“, zu „verwöhnen. Nora hat alle Freiheit sich frei zu entfalten, darf alles was sie möchte erkunden. Auch BLW – also das eigenständige Essen am Familientisch gehört für uns dazu.

… heißt nicht, mit Zwang alles durchzusetzen.

Ich bin absoluter Befürworter von AP – aber nicht um jeden Preis. Wir praktizieren Dinge, die für uns funktionieren, für die wir uns nicht verbiegen müssen. Nicht alles funktioniert für jede Familie, für jedes Kind. AP heißt nicht, mit aller Macht alles so durchzusetzen. Es heißt, ganz individuell auf die Bedürfnisse der Familie zu reagieren.

Wir vertrauen darauf, dass Nora uns genau zeigt, was sie braucht und möchte. Unser Kind wächst eigenständig, kompetent und selbstbestimmt auf.

Christin

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Was bedeutet überhaupt bedürfnisorientiert?

von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
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