Allgemein Bedürfnisorientiert leben Gedanken

Wie es sich ohne Clan lebt …

Leben ohne Clan

Beginnen möchte ich diesen Beitrag mit den Worten von Nicola Schmidt, Autorin eines meiner Lieblingsbücher „artgerecht“:

Artgerecht ist, nicht alleine zu sein. Das ist das allerwichtigste. Eine Homo-Sapiens-Mutter, die 10 Stunden am Tag mit ihrem Kind allein ist, lebt nicht artgerecht. Wir sind keine Katzen und keine Bären. Wir sind Gruppenwesen. Wir sind dafür nicht gemacht. Wenn ihr euch wundert, warum ihr keine endlose Geduld habt – nicht mal mit diesem süßen kleinen Baby – dann liegt hier die Antwort: Ihr seid nicht dafür gemacht.Manche schaffen es trotzdem. Aber die, die es nicht schaffen, die ausbrennen, einfach nur schlafen wollen, die abends dem Partner das Kind in die Hand drücken und nur noch weg müssen, die endlich in Ruhe duschen wollen, die sollten wissen: Das ist normal. Ihr braucht Unterstützung, Gesellschaft und jemanden, der das Baby hält, wenn ihr mal duschen wollt. Dann könnt ihr solche Phasen wir Fremdeln auch besser überstehen, wenn euch die süßen Kleinen bis aufs Klo folgen :).

Liest man sich die vorangegangenen Zeilen durch, kann man per Definition ganz klar für sich entscheiden ob man „artgerecht“ lebt oder eben nicht. Viele werden dann feststellen, dass sie es nicht tun. Aber ist es überhaupt in jedem Fall möglich, mit Clan zu leben? Jeder kennt den Ausspruch „Es braucht ein Dorf um ein Kind zu erziehen“. Das mag sein. Aber es gibt so viele Faktoren HEUTE, die es nicht zulassen, sich permanent mit diesem Clan zu umgeben, weil andere Faktoren in den Vordergrund gerutscht sind. Was nützt ein Clan, wenn es dort keine beruflichen Perspektiven gibt? Was nützt ein Clan, wenn die finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichen? Ja – was nützt ein Clan, wenn einem die Heimat des Clans nicht zusagt? Natürlich, es gibt wichtigere Dinge als Geld und Karriere. Aber ganz ohne geht es eben doch nicht. Die Miete zahlt sich nicht allein und auch der Wunsch nach einem Eigenheim – einer gemütliche Höhle für die Familie – finanziert sich nicht durch irgendein Hobby.

Ich denke jeder würde lügen, wenn er nicht gerne von seiner Familie umgeben ist (sofern da nicht ganz düstere Dinge im Argen liegen). Ja was würde ich dafür geben, spontan meine Eltern besuchen zu können. Nora guten Gewissens in die Arme meiner Mama legen zu können und selbst mal kurz durchatmen zu können. Gerade in „schweren“ Phasen ertappt man sich so oft dabei, stumm nach Hilfe zu schreien. Aber da ist niemand – denn wir leben hier ohne diesen Clan, der ach so „vergötternd und elemantar“ angepriesen wird. Es geht – es muss gehen. Ich habe keine Wahl. Das ist Fluch und Segen zu gleich. Ich kann man nicht darauf ausruhen, dass Kind weggegeben zu können. Kann nicht spontan mit meinem Mann mal ein Abend allein verbringen. Überhaupt … kann ich so nicht viel.

Wobei ich sagen muss, mir steht momentan auch nicht der Sinn danach. Ich will keinen Spaß haben, während ich andere mit meinem Leben belaste. Ich will nur mal 10 Minuten atmen können, in Zeiten wo Schlafmangel, Überforderung, Frauenprobleme und vieles mehr auf einen Einprasseln. Es ist kein Zustand auf den man stolz sein kann – ein Kind ganz alleine großzuziehen. Ferner habe ich immer gesagt „so soll mein Kind nicht aufwachsen“ (ohne Oma und Opa). Die einzige Verbindung Whats App und Telefon. Aber wir hatten und haben keine Wahl. Es ist nicht schön aber machbar und ein Zustand, der eigentlich nicht zu diskutieren ist. Traurig macht er mich trotzdem so oft.

Dafür genießen wir die wenigen Momente mit unserer Familie umso mehr … umso inniger. Sauge jede Minute auf und den Anblick wie meine Mama mit diesem Kind – meinem Kind ganz vernarrt kuschelt, Blödsinn macht und sie in den Schlaf trägt so wie es einst mit mir getan hat.

Christin
Print Friendly, PDF & Email

You Might Also Like

Keine Kommentare

Leave a Reply

Wie es sich ohne Clan lebt …

von Christin Geschätzte Lesezeit: 3 min
0